Oxidativer Stress

Dr. med. Werner Seebauer

Der oxidative Stress bedeutet einen vermehrten Anfall von schädigenden freien Radikalen. Die Quellen dafür sind vielfältig. Es können verschiedene Umweltbedingungen und verschiedene körpereigene Reaktionsabläufe dafür verantwortlich sein. Beispiele dafür sind die UV-Strahlen, die Ozonbelastung, die Schadstoffbelastung, die Nahrung, Alkohol und Rauchen, die Immunabwehr, Entzündungsreaktionen, fehlende Regeneration nach Stress, stärkere Belastungen respektive Überlastung durch Sport, Infekte sowie der Alterungsprozess selber und sogar der normale alltägliche Stoffwechsel in unseren Organsystemen. Von dem verstoffwechselten Sauerstoff bleiben immer circa 2-5 als freie Radikale (ROS) zurück.

Während einer intensiveren körperlichen Belastung, ob sie nur über eine kurze Zeit oder einen längeren Zeitraum durchgeführt wird, oder auch durch die anderen genannten Radikalquellen kommt es zu einem deutlichen Anstieg von Entzündungsmediatoren und von das Immunsystem schwächenden Faktoren. Diese können in Form von verschiedenen Biomarkern im Serum oder zum Teil auch im Urin gemessen werden. Entscheidend, ob die Schäden und Belastungen rechtzeitig und ausreichend ausgeglichen werden, ist die Zufuhr von Antioxidantien, welche die freien Radikale entschärfen. Der Körper produziert zwar eines seiner wichtigsten Antioxidantien – das Glutathion - selber, doch für diese Produktion und die Wiederherstellung des oxidierten Glutathion braucht er ebenfalls eine ganze Reihe von Vitaminen, Aminosäuren, Spurenelementen und vor allem auch die Sekundäre Pflanzenstoffe. Nur wenn diese ausreichend vorhanden sind, dann verlaufen Stressreaktionen und Entzündungsreaktionen so gezügelt und balanciert, dass es nicht zu vermehrten Entartungen von Zellen und Immunmangelsituationen kommt.

Als Antioxidantien kennt man seit langem bestimmte Vitamine, heute hat man tausende weitere Stoffe aus unserer Nahrung als Antioxidantien erforscht. Diese werden vom Organismus zum Teil erfolgreich zur Stärkung des Immunsystems und für die Unterstützung verschiedener Stoffwechselreaktionen eingesetzt. Die Wissenschaft erkennt in vielen Forschungsprojekten und hoch signifikanten Studienergebnissen, dass die Sekundären Pflanzenstoffe eine viel größere Rolle als die Vitamine spielen und neben zahlreichen anderen wichtigen Funktionen obendrein die wesentlich stärkeren Antioxidantien sind. Es ist nicht ausreichend, und es ist meist nicht optimal, wenn nur Multivitamin- und Spurenelementpräparate angeboten werden.

Wichtig ist, dass die in unsrer Nahrung analysierten Sekundären Pflanzenstoffe (bislang über 12450) besonders aus Obst, Gemüse und Samen sowie Getreidesaaten ausreichend zugeführt werden. Dabei kommt man nicht darum herum, eine abwechslungsreiche Auswahl verschiedener Obst- und Gemüsesorten in größerer Menge zuzuführen. Neben der Vielfalt sind die Qualität und die Zubereitungsart wesentlich entscheidend, ob diese Vitalstoffe auch ausreichend in der Nahrung enthalten sind (sie entstehen besonders in den letzten Reifungstagen). Diese Erkenntnisse sind seit langem Gegenstand unzähliger Studien und Forschungen, und werden daher von der WHO sowie verschiedenen Gesundheitsinstitutionen in verschiedenen Ländern propagiert. Es sollten mindestens 5 Portionen Obst und Gemüse täglich zugeführt werden (5 am Tag Kampagne). Wegen der oft mangelnden Qualität (unreif geerntetes), ist es mittlerweile empfehlenswert, etwa 9 Portionen (ca. 900 g) täglich zuzuführen. Da die meisten dieser Vitalstoffe sehr hitzeempfindlich sind, ist es wichtig, dass ein bedeutender Teil davon roh verzehrt wird, und die erhitzten Nahrungsmittel nur so kurz wie möglich erhitzt (möglichst nur gegart) werden.

Die Zwischenauswertung der noch laufenden EPIC Studie mit über 520.000 Teilnehmern in 10 Europäischen Ländern belegt die sehr hohe Relevanz und Korrelation der Obst- und Gemüsezufuhr zur Reduktion von Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen aber auch verschiedenen anderen Zivilisationsleiden. Die WHO schätzt, dass in unseren Industrieländern jährlich über 2,7 Millionen Menschenleben gerettet werden könnten, wenn nur mehr Obst und Gemüse entsprechend der 5 am Tag Empfehlung zugeführt würde.

Ein Anliegen verschiedener Forschungen lag darin zu ergründen, ob diese sekundären Pflanzenstoffe, wie die Vitamine, Mineralien und Spurenelemente ebenfalls konzentriert werden können und dann als Nahrungsergänzung zur Verfügung stehen können. Dies gelingt, wenn bestimmte Kriterien der Wachstumsbedingungen und der Herstellung berücksichtigt werden und somit die Bioverfügbarkeit erhalten bleibt.

Als Resümee kann man festhalten: 90der Bevölkerung in Deutschland, der Schweiz und Österreich essen deutlich weniger Obst und Gemüse als es empfehlenswert ist, um verschiedenen Erkrankungen vorzubeugen. Damit sind die Feststellungen, man bräuchte keine Nahrungsergänzungen, weil man alles über die Nahrung zuführen könne, nur theoretisch richtig, denn von der überwiegenden Mehrheit es wird leider so nicht durchgeführt. Aus diesem Grunde wird eine Nahrungsergänzung von zahlreichen Experten empfohlen (z.B. renommierte Ernährungswissenschaftler, wie Prof. Biesalski, Leiter der Ökotrophologie Universität Stuttgart Hohenheim , Frau Prof. Metzner, Vorstand des Bonner Förderkreis für Ernährung, von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik sowie von zahlreichen weitere Experten). Sie alle empfehlen dies, da sonst zu viele Menschen keine ausreichende bzw. umsetzbare Lösung realisieren. Viele haben im Alltagsstress ein zu große Herausforderung ihre Ernährung konsequent umzustellen, es würde gehen, ist jedoch vielen zu mühsam. Der beste Weg wäre die Orientierung nach der Ernährungspyramide z.B. der Gesellschaft für Ernährungsmedizin, doch wenn dies nicht realisiert wird, ist eine natürliche Nahrungsergänzung eine gute Hilfe – kein Ersatz! Die Nahrungsergänzungen sollten jedoch in wissenschaftlich kontrollierten Studien den Beweis der Wirksamkeit erbringen. Fragen Sie Ihren Gesundheitsberater was empfehlenswert ist.


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